Video. Ein Höhepunkt des Faschings im Salzkammergut ist der Ebenseer Fetzenumzug am Faschingmontag: Der Name "Fetzen" stammt noch aus einer Zeit, als arme Leute nur ein einziges Sonntagsgewand besaßen. Um dieses zu schonen, zogen sie oft lieber alte Kleidungsstücke an, die sie bei Bedarf durch Stoffflecken ausbesserten - wodurch immer buntere und fetzigere Mäntel und Jacken entstanden. Auch die Ebenseer "Fetzen" wollen nicht erkannt werden und verkleiden sich daher mit kunstvoll geschnitzten Holzlarven. Sie verstellen sogar die Stimme und das aus gutem Grund: So können sie unerkannt und ausgelassen die ungeschminkte Wahrheit sagen und alles kritisieren, was sie während des Jahres berührt oder gestört hat. Unnötig zu erwähnen, dass auch das Fetzentreiben in den Gasthäusern und auf den Straßen bis in die Morgenstunden des Faschingsdienstags fortgesetzt wird. Wer die "fünfte Jahreszeit" im Salzkammergut so richtig auskosten will, braucht eben auch ein bisschen Kondition. Und wird dafür mit vielen unvergesslichen Eindrücken und so manch neuer Bekanntschaft belohnt.
Neu Bilder Fetzenumzug 2012 doschau in Zeidung
Erinnerung an den Fetzenumzug 2011 in Ebensee
Seit nachgewiesener Zeit von 120 Jahren hat sich in Ebensee ein eigentümlicher Faschingsbrauch entwickelt und erhalten: Der Fetzenzug am
Faschingmontag.
Ob von den Ausseer „Flinserln“ abgeschaut oder als Parodie auf bürgerliches Faschingstreiben eingerichtet bleibt dahingestellt. Statt teure Stoffe und Edelsteine kleidete man sich in Ebensee
jedenfalls in alte Frauenkleider, welche mit Stofffetzen und ähnlichem Zierrat geschmückt wurden. Gleichzeitig verdeckte man sich das Gesicht, um der Obrichkeit, den „geliebten“ Nachbarn und
Verwandten endlich die Meinung sagen zu können.
Aus diesen als Fetzen bezeichneten Faschingsnarren formte sich ein Umzug, der von der Ortschaft Kohlstatt beginnend bis zum Rathaus der Marktgemeinde Ebensee führt. Heute ist dieser Umzug am
Faschingmontag der Höhepunkt des ohnehin als heilig geltenden Ebenseer Faschingsgeschehens.
Heutzutage treffen sich am Faschingmontag beim Gasthaus Langbathtal (Neuhütte) die „Fetzen“. Diese tragen ein“ Fetzengewand“ aus alten Frauenkleidern, wo Lumpen („Fetzen“) aufgenäht werden. Der
Kopf wird mit einem „Fetzenhut“ bedeckt: dieser Hut hat viele Gestalten, Grundlage ist entweder ein alter normaler Hut oder ein extra aus Karton und ähnlichen Materialien hergestellter. Verziert
wir er mit Kunstblumen, bunte Stofffetzen, Stofftiere, Vogelkäfige, ausgestopfte Raubvögel und vielen anderen Accessoires, der Fantasie wird keine Grenzen gesetzt. Das Gesicht wird mit einer
kunstvoll geschnitzten („geschnegerten“) Holzmaske („Larve“) verdeckt. In der Hand werden noch weitere Utensilien mitgeführt, wie ein alter zerrissener Regenschirm, Reisbesen u.a.
Seit 1954 begleiten den Fetzenzug die Pritschenmeister. Sie wurden als „Fetzenpolizei“ dem Zug vorangestellt, um Auswüchse und unsittliche Übergriffe zu vermeiden. Heute dienen sie dazu genügend
Platz in der Zuschauermenge für den Fetzenzug zu schaffen. Diese einem Harlekin sehr ähnlich gekleideten Ordnungshüter, tragen eine „Holzpritsche“ mit sich, mit der sie sich den gehörigen Respekt
verschaffen. Dahinter beginnt der eigentliche Zug mit einer örtlichen Musikkapelle (Fetzenmusi). Der Musik folgt die als Fetzen verkleidete Ebenseer Bevölkerung.
Jetzt wird es wichtig, dass die Verkleidung den Träger tatsächlich unkenntlich macht, denn nun erfolgt der eigentliche Höhepunkt: Das “Austadeln“. Das Ziel, jedes einzelnen Fetzen ist es nämlich,
den Leuten ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung die ungeschminkte Wahrheit und Meinung öffentlich in Erinnerung zu rufen. Manche Fetzen werden hier zu wahren Meistern des
„Austadelns“.
Der geschlossene Zug geht bis zum Rathaus von Ebensee. Jetzt verteilen sich die Fetzen in den Gasthäusern von Ebensee, wo das amüsante Treiben weiter geht. Die Hartnäckigen unter Ihnen bleiben
bis Mitternacht maskiert. Gefeiert wird noch bis in die frühen Morgenstunden des Faschingdienstags.
Bericht: Zeidung